Großes Helferkreistreffen

Auch wenn die Rahmenbedingungen oft zum Verzweifeln sind: Die Aktiven des Elchinger Freundeskreises Asyl geben nicht auf. Im Gegenteil. Die Stimmung und die Diskussion beim Jahrestreffen der Helferinnen und Helfer waren höchst produktiv und ermutigend. „Wir lassen uns nicht unterkriegen“, sagte Dr. Birgit Möller vom Leitungsteam.

Sie dankte ihren Mistreitern und allen, die in den Kleingruppen aktiv sind. Nach den ersten Orientierungshilfen bei der Ankunft gehe es nun um „wirkliche Integration“. Die ist nicht nur wegen kultureller Unterschiede mühsam. So beklagten etliche Helfer, „dass der Staat alles tut, um die Integration zu erschweren“, beispielsweise durch schleppende Bearbeitung von Anträgen und langwierige Prüfung von Dokumenten wie Geburtsurkunden, was Fristenversäumnisse nach sich zieht.

Die Asylanträge fast aller 38 Bewohner im Dammweg seien abgelehnt worden, berichtete Sigrid Thelen. Depressionen und Demotivation seien die Folge. Einige hätten sich weiter auf die Flucht nach Italien oder Frankreich begeben. Tief schockiert hat sowohl Helfer als auch Flüchtlinge im vergangenen Jahr der Suizid eines jungen Afghanen, der sich nach Frankreich abgesetzt hatte. Ein Landsmann wird laut Sigrid Thelen derzeit wegen starker Depression und Suizidgefahr im BKH Günzburg behandelt. Das alles wirkt sich auf die Helfer aus. „Daher sind wir Pater Ulrich sehr dankbar, dass er uns die Supervision ermöglicht“, sagte Birgit Möller. „Er hat auch immer ein offenes Ohr für uns, und wenn es irgendwo brennt, bringt er alles auf wundersame Weise wieder in Ordnung.“

Neue Bundesfreiwillige

Hinter den Helfern liegt ein arbeits- und ereignisreiches Jahr, das auch geprägt war von Fortbildungen und Netzwerkarbeit. Kontinuierlich läuft die Arbeit in den Gruppen von „Sachspenden“ über „Sprachförderung“, „Hausaufgabenhilfe“, „Sprechstunde“ bis hin zu „Familienbegleitung“ und „Freizeitgestaltung“. In diesem Zusammenhang lobte Birgit Möller, dass alle örtlichen Sportvereine sehr engagiert sind, um die Flüchtlinge zu integrieren.

Große Herausforderung sind nach wie vor Wohnungs- und Arbeitssuche. Dieses Jahr werden etliche junge Flüchtlinge die Berufsvorbereitung beenden. Hinzu kommt als neue Aufgabe die Integration der nachgezogenen Frauen und Kinder. Froh ist der Freundeskreis daher über die Unterstützung der Bundesfreiwilligen Marie-Louise Schlehuber. „Aber wenn wir nach Langenau schauen, wo sich zusätzlich zu den Ehrenamtlichen drei Teilzeit-Hauptamtliche um 122 Flüchtlinge kümmern, erblassen wir vor Neid“, sagte Möller.

Weitere Helfer gesucht

Besonders die Familienbegleiter wären dankbar, wenn weitere Ehrenamtliche sie bei ihrer Arbeit unterstützen würden. Derzeit leben 19 Flüchtlingsfamilien in Elchingen, die von zwölf Helfern betreut werden. Überlegt werde, ob und wie die Radstation mit dem von der Agenda geplanten Reparaturcafé kooperieren könne, sagte Giorgio Demartin. Weil Flüchtlinge, die mittlerweile Deutschkurse in mehreren Stufen durchlaufen haben, immer wieder den Wunsch äußern, Kontakte zu Elchingern zu knüpfen und ihre Sprachkenntnisse auch außerhalb des Unterrichts anzuwenden, soll nun ein Café-Treff initiiert werden – zusätzlich zu den lockeren Treffs jeden Mittwoch in der Kleidertruhe, zu denen weiterhin alle Bürger eingeladen sind.

Michael Schramm

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